Mit KI aus unserem englischen Quiz auf Deutsch erstellt; die Quellen verweisen auf die deutsche Wikipedia.
Ein Mythos ist mehr als eine alte Göttergeschichte: Seit der Antike streiten Philosophen, Ethnologen und Psychologen darüber, was Mythen erklären, legitimieren oder verschleiern. Dieses Quiz fragt nach den großen Deutungen – von Euhemeros und Platon über Vico, Jung und Cassirer bis zu Lévi-Strauss, Durkheim und Bultmann. Dazu kommt ein Abstecher nach China: Der Affenkönig Sun Wukong zeigt, wie ein Mythos bis heute in Romanen, Mangas und Videospielen weiterlebt.
Alle 30 Fragen mit Antworten und Erklärungen. Quiz spielen
Q 01Wie heißt das Ensemble aller Mythen eines Volkes oder einer Religion?
Mythologie
Das griechische μυθολογία bedeutet „Sagendichtung“; man spricht etwa von der Mythologie der Griechen, der Römer oder der Germanen.
Q 02Aus welcher Sprache stammt das Wort „Mythos“ ursprünglich?
Altgriechisch
Das griechische μῦθος bedeutete ursprünglich „Laut, Wort, Rede, Erzählung“; bis ins 19. Jahrhundert war daneben die Verdeutschung „die Mythe“ gebräuchlich.
Q 03Welcher Begriff steht bei den Sophisten im Gegensatz zum Mythos?
Logos
Kritik am Wahrheitsanspruch der Mythen gab es schon bei den Vorsokratikern, etwa bei Xenophanes um 500 v. Chr.
Q 04Unter welchem Namen kennt man den Affenkönig Sun Wukong in Japan?
Son Gokū
So heißt auch die Hauptfigur der „Dragon Ball“-Mangas und -Animes; in Korea nennt man den Affenkönig dagegen Son Ogong.
Q 05Worin sah C. G. Jung den Mythos gespiegelt?
In einem kollektiven Unbewussten
Archetypen sind für Jung zeitlose, in verschiedenen Kulturen übereinstimmende Muster; Mythen sind deren bewusste, „sekundäre“ Elaborationen.
Q 06Welches Videospiel zum Roman um den Affenkönig erschien im August 2024?
„Black Myth: Wukong“
Anspielungen auf den Affenkönig finden sich auch in League of Legends, Dota 2 und Smite sowie in Mangas wie Naruto und One Piece.
Q 07In welchem klassischen chinesischen Roman ist Sun Wukong der König der Affen?
„Die Reise nach Westen“
Der Roman rankt sich um die historische Pilgerfahrt des Mönchs Xuanzang, der im 7. Jahrhundert nach Indien zog, um buddhistische Schriften zu holen.
Q 08Wie lange hält Buddha den Affenkönig Sun Wukong unter einem Berg gefangen?
500 Jahre
Zuvor hatte der Affenkönig allein die Armeen des Jadekaisers besiegt und diesen gezwungen, ihn zu einem himmlischen Gott zu machen.
Q 09Welches finnische Werk steht für die Sammlung nationaler Mythen in der Nationalromantik?
„Kalevala“
Das estnische Gegenstück Kalevipoeg gilt als Fiktion, der angeblich keltische Ossian-Mythos gar als Fälschung.
Q 10Auf wie viele verschiedene Weisen kann sich der Affenkönig Sun Wukong verwandeln?
72
Bei daoistischen Meistern lernt der Affenkönig auch das Kämpfen und das hohe Springen; dazu erlangt er einen Stab, der seine Größe beliebig ändern kann.
Q 11Wer gilt laut Samuel Salzborn als gründungsmythische Referenzgestalt Europas?
Karl der Große
Humanisten stritten einst darüber, ob Karl ein Deutscher oder ein Franzose gewesen sei – für Salzborn ein Beispiel für politische Mythen als symbolisches Konfliktmanagement.
Q 12Wie nennt man Mythen, die Entstehung und Gestalt der Welt erklären?
Kosmogonische Mythen
Anthropogene Mythen handeln dagegen von der Erschaffung des Menschen; bei komplexen Mythensystemen sind solche Abgrenzungen schwer zu treffen.
Q 13In welchem Jahr erschien Albert Camus’ Essay „Der Mythos des Sisyphos“?
1942
Q 21Wie heißt das vierbändige Hauptwerk von Claude Lévi-Strauss aus den Jahren 1964 bis 1971?
„Das Rohe und das Gekochte“
Lévi-Strauss zufolge ordnet das „wilde Denken“ die Welt in Gegensatzpaaren – etwa Himmel und Erde oder wilde und gezähmte Tiere – ähnlich modernen Systematiken.
Q 22In welchem Dialog schuf Platon einen Mythos von der Entstehung der Welt?
„Timaios“
Wesentliche Aspekte dieser Kosmogonie wurden über den Neuplatonismus bis hin zu Georg Friedrich Creuzer rezipiert.
Q 23Wer beschrieb den Mythos als eigene „Denkform“ neben Sprache, Kunst und Wissenschaft?
Ernst Cassirer
Camus deutet Sisyphos als potenziell selbstbestimmten, glücklichen Menschen: In der Sinnlosigkeit seiner Arbeit zeige sich Freiheit eher als in Ergebenheit.
Q 14Um welches Jahr entstand Hesiods „Theogonie“?
700 v. Chr.
Die Vermenschlichung der Götter war darin schon so weit fortgeschritten, dass Xenophanes und Hekataios von Milet die Göttergeschichten für lächerliche Erfindungen hielten.
Q 15Bei welchem Philosophen verengte sich „Mythos“ auf den griechischen Götter- und Heldenmythos?
Aristoteles
Er verstand Mythos als Nachahmung von Handlung, sah seinen Text als Gebrauchsanleitung für Dichter und den Mythos als Merkmal einer gelungenen Tragödie.
Q 16Welchen Kult in Australien untersuchte Émile Durkheim für seine Mythosforschung?
Den Totemismus
Kern des Religiösen ist für Durkheim die Trennung zweier Sphären, des Heiligen und des Profanen; in der Moderne trete die Gesellschaft an die Stelle der Religion.
Q 17In welchem Jahr erschien Nietzsches „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“?
1872
Nietzsche nannte den Mythos eine „Abbreviatur der Erscheinung“ und sah im Unbehagen der Moderne den Ausdruck eines Mythosverlusts.
Q 18In wie viele Funktionsklassen gliedert Georges Dumézil die Mythen der Indoeuropäer?
Drei
Priester, Krieger und Bauern – die Dreiteilung passt allerdings nicht zur nordischen Mythologie, die keine Priester, dafür aber Sklaven kennt.
Q 19Welcher antike Denker führte die Göttermythen auf vergöttlichte Könige zurück?
Euhemeros
Das Muster kannte die Antike aus der Praxis: Im hellenistischen und später im römischen Herrscherkult wurden Herrscher tatsächlich vergöttlicht.
Q 20Was symbolisiert Sun Wukong auf der philosophischen Ebene des Romans?
Das menschliche Herz
Anfangs egoistisch und genusssüchtig gleicht er den Dämonen, die er später bekämpft – am Ende wird er selbst zum Buddha.
Für Cassirer kennt mythisches Denken keine scharfe Trennung zwischen Traum und Wacherlebnis oder zwischen Leben und Tod – alles hat „Dingcharakter“.
Q 24Welcher Ethnologe wollte 1914 neben „Mythos“ auch die Gattungsbegriffe der Erzähler nutzen?
Franz Boas
Er erforschte die Mythen der indigenen Völker Nord- und Südamerikas und sah in ihnen einen Kulturspiegel, dessen Geschichten über weite Räume wandern.
Q 25Wie viele Jahre dauerte die Indienreise des Mönchs Xuanzang im 7. Jahrhundert?
16 Jahre
Sein ausführlicher Reisebericht gilt bis heute als eines der wichtigsten historischen Zeugnisse vom Leben in jener frühen Zeit.
Q 26Wie definierte Thomas Mann 1928 das Wesen des Mythos?
„zeitlose Immer-Gegenwart“
Für Mann war der Mythos „vorbewusst“ und „Lebensgründung“: das zeitlose Schema, in das das Leben eingeht, indem es aus dem Unbewussten seine Züge reproduziert.
Q 27Wer begriff die antiken Mythen als Erster als ernstzunehmende kulturelle Konstrukte?
Giambattista Vico
Für ihn war der Mythos die „wahre und strenge Geschichte der Sitten bei den ältesten Völkern Griechenlands“ und integraler Bestandteil der Kultur.
Q 28Von wem wurde Europa nach der Deutung des Palaiphatos entführt?
Mann namens Tauros
Palaiphatos führte die griechischen Mythen auf historische Ereignisse zurück und verfiel dabei in rationalistische Spekulationen – der „Stier“ wurde so zum Menschen.
Q 29Aus welchem Sanskrit-Wort leitete Friedrich Max Müller die Namen Zeus und Jupiter ab?
dyaús
Müller lehrte in Oxford; er hielt Mythen für vorwissenschaftliche Naturerklärungen, die durch sprachliche Verzerrung ihre personifizierte Form erhielten.
Q 30Welcher spätantike Philosoph unterschied zwischen poetischen und philosophischen Mythen?
Olympiodoros der Jüngere
Die poetischen Mythen Homers und Hesiods hielt er für absurd und anstößig, obwohl er das Christentum ablehnte – er suchte ihre verborgene allegorische Wahrheit.